Oliver Wießer

Unter dem Titel Als ein Flitzer das Spielfeld kreuzte" veröffentlichte die Thüringer Allgemeine im Rahmen ihrer Serie über Fussball-Schiedsrichter am 28.02.2011 folgenden Beitrag.

Schiedsrichter sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Sports. Mit Jubelgesängen werden sie nur selten konfrontiert. Beschimpfungen und Kritik prägen oft ihren Sportalltag. Wahrgenommen werden sie nur dann, wenn strittige Entscheidungen gefällt werden. Pfeift ein Schiedsrichter ohne Fehl und Tadel, steht er selten im Blickpunkt. Thüringer Allgemeine stellt Schiedsrichter vor:

Heute: Oliver Wießer von der SpVgg Geratal.

Seit wann sind Sie Schiedsrichter?

Ich bin seit der Saison 2008/ 2009 Schiedsrichter.

Wie kamen Sie dazu?

Ich bin ein sehr großer Fan der Spielvereinigung Geratal (damals noch ThSV 1886 Geschwenda) und da war ich immer viel auf dem Sportplatz, nicht nur zu Spielen. So hatte ich da schon viel Kontakt zu Spielern und Vorstand. Dann bin ich einfach gefragt worden, ob ich denn nicht Schieri werden möchte. Da habe ich gerne zugesagt, weil ich mich mit dem Verein identifiziere.

Was ist das Schöne an diesem Job?

Mir gefällt, dass ich mit den anderen Schieris und Freunden unterwegs bin und auf dem Platz Referee sein kann.

Was ist weniger schön?

Manchmal kommt man zu den Vereinen und es ist nichts vorbereitet — und daher kann man dann erst später anpfeifen.

Wie viel Prozent der Regelverstöße entdecken Sie?

Man möchte eigentlich jeden Regelverstoß erkennen, aber wie viele wissen: Das geht nicht, man erkennt nicht alle.

Haben Sie schon einmal eine Entscheidung revidiert?

Nein, das musste ich bislang noch nie machen.

Poltern alle Trainer gleich?

Es gibt welche die meckern weniger und andere etwas mehr — das ist eben so.

Wie bereiten sie sich auf ein Spiel vor?

Ich schaue, wo ich lang fahren muss und dann werfe ich vielleicht auch noch einen Blick ins Regelbuch. Dann sehe ich mir noch an, was es für ein Spiel ist – Punktspiel, Pokalspiel, Erster gegen Zweiten oder Erster gegen Letzten.

Gibt es bestimmte Rituale?

Eigentlich keine, aber vielleicht irgendwann einmal...

Wie viele Spiele pfeifen Sie in der Saison etwa?

Ich zähle nicht mit, aber es sind bestimmt so 2O bis 25 — als Schieri und Assistent.

Wie halten Sie sich für Ihren Schieri-Job fit?

Ich treibe ein bisschen Sport und informiere mich über die neuen Regeln.

Sind Sie mit den Spielern per Du oder siezt man sich auf dem Platz?

Auf dem Platz siezt man sich, vor oder nach dem Spiel ist das dann alles offener.

Was war Ihr kuriosestes Erlebnis als Schiedsrichter?

Bei einem meiner Spiele hatte ich einen „Flitzer“, der als Frau verkleidet und zudem noch ganz schön angetrunken war. Später stellte sich heraus, das war für ihn ein Teil seiner Aufnahme in einen Biker-Club.

Würden Sie an den Fußball- Regeln etwas ändern? Wenn ja, was?

Meiner Meinung nach denken sich Leute die Regel mit Grund aus. Man lernt sie dann als Schiedsrichter so wie sie sind und führt sie auch so aus, ob sie Sinn machen oder nicht. Es gibt schließlich Fachleute, welche die Fußballregeln jede Saison aufs Neue überprüfen und dann gibt es gegebenfalls eine Regeländerung.

Gibt es einen Schiedsrichter, den Sie bewundern?

Ganz klar: Pierluigi Collina.

Für wen schlägt in der Bundesliga Ihr Herz?

FC Bayern München.

Gespräch: Tanja Köhler